Nach Puriscal, mag sich der/die ein oder andere nach dem letzten Beitrag fragen, was ist denn da? In Puriscal wartete Abel, von der ersten Farm auf der ich für 2 Wochen bleiben würde, Establo San Rafael.
Für eine Nacht ist mein Vater noch mitgekommen, am nächsten Tag ging es für ihn dann zurück nach Liberia, um von dort aus nach Hamburg zu fliegen.
Auf der Farm wurden wir herzlich von Mareike (die Assistentin auf der Farm/Instruction:)/Instructor), Juuk, Ewa, Marion und Jacob (weiteren Praktikanten) begrüßt. Achso, was vielleicht gut zu wissen ist, Establo San Rafael ist eine Pferdefarm und ich war/bin dort als Praktikantin, was genau das bedeutet werde ich später erzählen. Nach einem leckerem Mittagessen und einer kleinen Führung über die Farm, ging es für diejenigen, die schon länger auf der Farm waren zum Unterricht. Hier auf der Farm wird Natural Horsemanship angewendet. Ich würde es folgendermaßen beschreiben: Wir lernen mit den Pferden in Pferdesprache zu komunizieren. Durch verschiedene Körpersignale führen wir das Pferd und nehmen die Position des Leitpferdes ein. Was ich daran besonders schätze ist, dass das Pferd dabei nicht als Transportmittel oder Spielzeug gesehen wird sondern als Partner und Gefährte.
Ich habe am ersten Tag also noch nicht wirklich mitgeholfen sondern durfte mich erstmal eingewöhnen und auf der Farm ankommen. Bei der Unterrichtsstunde habe ich gleich erstmal zugeguckt, denn wenn ich ehrlich bin, wusste ich absolut gar nichts über Natural Horsemanship, auch wenn ich ein wenig auf der Website gelesen hatte.
Am nächsten Tag ging es dann richtig los, um 6h00 Aufstehen, damit ich um 6h30 unten beim Haupthaus sein konnte. Dort gab es erstmal etwas warmes zum trinken und aufwachen. Die Stallarbeit war als erstes dran, sauber machen und Heu, Konzentrat und Wasser auffüllen. Da wir relativ viele Leute waren, ging das ziemlich schnell. Danach hat man dann auch gut Hunger, also auf zum Frühstück. Das Essen generell haben wir meistens für uns selbst zubereitet, manchmal haben wir zusammen gekocht, z.B. Pfannkuchen gemacht oder mittags mal ein Curry, ab und zu, wenn Kunden da waren, haben auch Abel und Brenda für alle gekocht. Gegen 10h30 werden die Pferde dann wieder heraus gelassen und der Stall für den Abend soweit schon vorbereitet. Wir hatten relativ viel Freizeit zwischen dem raus lassen der Pferde und unserem Unterricht am Nachmittag gegen 14h30. In der Zwischenzeit haben wir irgendwann Mittag gegessen und sind mal mit den Pferden zum Fluss spaziert oder einmal auch ohne Pferde zum Wasserfall in der Nähe gelaufen.
Wie schon erwähnt hatten wir gegen 14h30 dann unsere Unterrichtsstunde. Am ersten Tag hat Juuk mich in die ersten 5 der 7 „Ground Games“ eingeführt und mir die Grundlagen erklärt. Nach und nach habe ich dann von Mareike und Brenda die gesamten Spiele und viele weitere Übungen gelernt. Wir haben Parcours gemacht um die verschiedenen Techniken anzuwenden und ich habe mit vielen unterschiedlichen Pferden geübt so, dass ich lernen konnte mit diversen Horseanaltities (Pferdepersönlichkeiten) umzugehen.
Natürlich durfte ich auch reiten. Mit verschiedenen Pferden habe ich unter anderem auf dem Reitplatz gelernt. Dabei ging es zunächst darum ohne Sattel gut auf dem Pferd zu sitzen und die Balance sicher zu halten, dazu haben wir verschiedene Übungen gemacht. Einmal haben wir auch ein kleines Barrel Race gemacht, wobei es bei uns natürlich erstmal noch nicht wirklich um die Schnelligkeit ging, es hat aber trotzdem sehr viel Spaß gebracht!
Und Ausritte in die wundervolle Natur von Costa Rica durften natürlich auch nicht fehlen! Hier dann aber mit Sattel, geleitet von Mareike (die natürlich ohne Sattel geritten ist, weil sie ein absoluter Profi ist:)), zusammen mit Marion, Jacob und Juuk.
Zwischendurch hatten Brenda und Mareike natürlich auch freie Tage, das waren für uns dann „Practice days“, an denen wir alleine mit den Pferden üben konnten.
Die Pferde wurden am Abend nach der Unterrichtsstunde (oder nach dem Ausritt) zum Abendessen wieder in den Stall gelassen und danach hatten dann auch wir Fütterungszeit. Die Abende haben wir unterschiedlich verbracht. Manchmal haben wir ein Video über Natural Horsemanship geguckt oder aber auch einfach mal einen Film, beispielsweise „Spirit“ oder „The last unicorn“. Nachdem ich mich mit Mareike an einem Abend, beim Geschirr abspülen, über diverse Dinge und Computerspiele unterhalten habe, habe ich auch viele Abende mit Mareike und Computerspielen verbracht.
Ein weiteres Highlight meiner Zeit hier beim Establo San Rafael war eine Nachtwanderung, Barfuß, auf einen Berg (der sehr steinig war) hinauf. Bei dieser Wanderung ist Mareike und mir die Idee gekommen, dass man ja auf dem Berg schlafen könnte. Außerdem haben wir zusammen mit Captain (Mareikes Hündin) den Vollmond angejault und an meinem letzten Tag habe ich einen Ausritt mit Mareike gemacht, der mit Eis essen geendet hat.
Und ach ja, hatte ich erwähnt, dass wir die Auf-dem-Berg-schlafen-Idee in die Tat umgesetzt haben? Vermutlich war das mein größtes Highlight! Wir haben abends essen vorbereitet, unter anderem einen Stockbrot-/Pizzateig, Kartoffeln und anderes Gemüse und sind dann mit Liegen und Decken bepackt auf den Berg hinauf gewandert. Begleitet von Captain und diesmal mit Schuhen. Oben angekommen haben wir Steine zusammengesucht und daraus eine Lagerfeuerstelle gebaut. Danach musste noch ganz viel Feuerholz gesammelt werden, das praktische war, dass die Stelle wirklich wie geschaffen für unsere Idee war, denn neben einer relativ weichen Grasstelle zum schlafen und vielen, nicht allzu weit entfernten Steinen, lag direkt auf einer Seite ein großer trockener Baum und ein noch stehender Baum hatte eine perfekte Astgabel um das Handy dort abzulegen und als Lampe zu dienen. Das Stockbrot hielt leider nur so mäßig an unseren improvisierten „Stöcken“ (Metallstäben), aber wir hatten trotzdem ein leckeres Abendessen. Die Kartoffeln sind unglaublich gut geworden, die mit Asche gewürzte Aubergine war allerdings nicht ganz so sehr mein Ding. Wir hatten eine sehr schöne Zeit, mit einem wundervollen Ausblick! Geschlafen haben wir zwar nicht viel, was auch sehr merkwürdigen Leuten geschuldet war, die hin und her und hin und her (mitten in der Nacht) liefen und Andere, die morgens um halb 5 joggen gehen, aber Captain hat gut auf uns aufgepasst. Den Schlaf haben wir dann mehr oder weniger am nächsten Tag auf der Terasse und auf anderen Böden nachgeholt, wobei wir uns sehr gut als Katzen getarnt haben. Das Katzenspiel habe ich einfach nicht nur beim Kochen drauf;)!
So ging nach 2 Wochen eine unglaublich tolle Zeit zuende und ich wollte eigentlich gar nicht mehr weg. Nach einem kurzen Abschied ging es dann gegen Mittag zunächst nach Puriscal und dann Richtung Mastatal, zu einer anderen Farm.
SPOILER: Ich war nicht zuletzt bei Brenda, Mareike und Co..